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Roger Stalder: „Der Quintuple ist die Krönung meines Weges“


Der Liechtensteiner Roger Stalder hat sich als Zuschauer bei der ersten Austragung in Buchs mit dem Ultratriathlon-Virus angesteckt. Seither lässt ihn die Idee nicht mehr los, selbst teilzunehmen. Ironman kennt er bereits – mit dem Quintuple nimmt er diese Distanz in Buchs aber nun gleich fünfmal hintereinander in Angriff. 

Roger, wie kam es dazu, dass du dich zum Quintuple angemeldet hast? 

Roger Stalder: Ein ehemaliger Arbeitskollege und Laufpartner hat mich bei der ersten Durchführung 2016 spasseshalber gefragt, ob das nicht auch etwas für mich wäre. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie einen Triathlon absolviert und hatte auch kein geeignetes Fahrrad – abgesehen von einem Mountainbike, das ich für gelegentliche Alternativtrainings zum Laufen benutzte. Doch die Idee war geboren und ich fing an, mich mit Triathlon auseinanderzusetzen. Die Teilnahme am Quintuple ist die Krönung meines zweijährigen Weges.

 

Was ist deine Motivation, ein solches Rennen zu bestreiten? 

Ich darf mich glücklich schätzen, dass ich körperlich gesund bin und ein solches Vorhaben überhaupt angehen kann. Zudem fasziniert mich seit jeher das Ausloten von physischen und mentalen Grenzen. Wie weit kann ich mit meinem Körper und Geist gehen? Welche Ziele kann ich erreichen? Auf dem Weg zur Beantwortung dieser Fragen landet man zwangsläufig im Bereich von Ultra-Veranstaltungen. Meine Motivation liegt darin, mein mir selbst gestecktes Ziel zu erreichen und gleichzeitig auch mehr über mich selbst zu erfahren.

 


"Ich wollte ich meine Trainings künftig abwechslungsreicher gestalten, und da drängte sich Triathlon geradezu auf!"


Im Oktober 2013 bist du deinen ersten Wettkampf überhaupt gelaufen – einen Halbmarathon. Wie ging deine Laufkarriere weiter?

Der Halbmarathon weckte meine Faszination für den Laufsport, und ich setzte mich immer intensiver mit Trainingsmethoden und Lauftechniken auseinander. Meine zweite Laufsaison legte ich dann auf den Jungfraumarathon aus. Den „obligatorischen Marathon im Leben“ konnte ich danach zwar abhaken, doch war es ein Bergmarathon. Da mich ein „normaler“ Marathon wenig reizte, entschied ich mich 2015, die 100 Kilometer von Biel anzugehen. Zwar verpasste ich mein Ziel, unter der 10-Stunden-Grenze zu bleiben, um ein paar Minuten – aber dieses Erlebnis weckte meine Faszination für Ultra-Distanzen. 

 

Und dann kam der Triathlon dazu? 

 

Im Folgejahr musste ich das Rennen in Biel leider verletzungsbedingt aufgeben. Als Erkenntnis daraus wollte ich meine Trainings künftig abwechslungsreicher gestalten, und da drängte sich Triathlon geradezu auf! Als erfahrener Läufer traute ich mich dann 2017 gleich an eine Mittel- und eine Langdistanz. In der Saison 2018 nutzte ich die Mitteldistanz als Vorbereitung für den swissultra. Erfreulicherweise konnte ich meine Zeit zum Vorjahr dennoch markant verbessern.

Roger Stalder beim Ironman 70.3 in Rapperswil (2018. (Fotos: FinisherPix)

Apropos Schnelligkeit: Hast du dir für den Quintuple ein Ziel gesteckt?  

Im Gegensatz zu früheren Wettkämpfen steht beim swissultra das Finishen im Vordergrund. Die Gesamtzeit ist für mich für einmal sekundär. Damit ich genügend Erholung bekomme, versuche ich eine Richtzeit von etwa 13 Stunden pro Tag anzupeilen. Sollte ich etwas länger benötigen, bin ich aber auch nicht traurig.

 

Wann hast du mit dem Training für den Quintuple begonnen, und wie hast du dich konkret vorbereitet?

Meine Vorbereitung hat im Oktober 2017 begonnen. Im Winter habe ich wöchentlich fünf Lauftrainings sowie je eine Rad- und Schwimmeinheit durchgeführt. Als es draussen langsam wärmer wurde, habe ich dann den Schwerpunkt vom Laufen auf das Radfahren verlegt und bin zwei- bis dreimal wöchentlich schwimmen gegangen. Um mich noch besser auf das Training konzentrieren zu können, habe ich in diesem Frühjahr zudem zweimal auf Mallorca und einmal in der Schweiz an einem Trainingslager teilgenommen. 


"Ich bin der festen Überzeugung, dass man sich im Leben auf seine Stärken fokussieren sollte – anstatt sich zu sehr auf die Schwächen zu konzentrieren." 


War diese Art von Training eine grosse Umstellung für dich?

Da ich den Grossteil der Trainings seit jeher im Grundlagenbereich absolviere, musste ich die Trainingsinhalte nicht gross umstellen. Ein bis zwei Intervalleinheiten pro Woche stellten jedoch eine abwechslungsreiche Ergänzung dar und sind für den Kopf ganz gut. Im Unterschied zu den letzten Jahren habe ich insbesondere den Trainingsumfang massiv gesteigert, regelmässige Koppeltrainings (Fahrrad/Laufen) eingefügt und aufgehört nach starren Plänen zu trainieren. Ich habe die Trainingseinheiten zwar noch strukturiert, jedoch auch auf meine jeweilige Tagesverfassung oder auf das Wetter abgestimmt. Dieses „Lust- und Laune-Prinzip“ hat sich enorm positiv auf meine Motivation ausgewirkt. Bereichernd waren zudem die gemeinsamen Trainings mit dem Triathlon-Club Vaduz sowie mit dem Lauf-Treff Buchs. Auch im Hinblick auf den sozialen Aspekt, der ansonsten gerne einmal etwas zu kurz kommt.

 

Du bist über das Laufen und das Radfahren zum Triathlon gelangt. Konntest du dich mittlerweile auch mit dem Schwimmen anfreunden? 

Laufen und Radfahren sind schon die beiden Disziplinen, die mir am besten liegen. Mit dem richtigen Trainer und vielen Techniktrainings konnte ich mich im Schwimmen zwar bedeutend verbessern, doch es wird nie meine stärkste Disziplin werden. Zudem bin ich der festen Überzeugung, dass man sich im Leben auf seine Stärken fokussieren sollte – anstatt sich zu sehr auf die Schwächen zu konzentrieren. Würde ich meinen Trainingsschwerpunkt auf das Schwimmen verlegen, könnte ich mich zwar bestimmt noch weiter verbessern, dafür würde ich aber das Radfahren und Laufen vernachlässigen. Sich selbst zu kennen und realistisch einzuschätzen, ist eine wichtige Errungenschaft – im Leben allgemein und ganz besonders im (Ultra-)Triathlon.


"Mit zunehmender Belastung steigt die Ausschüttung von Dopamin und Endorphinen an, was dann zu einer richtiggehenden "Synapsen-Party" im Gehirn führt. Also weshalb das ganze Vorhaben nicht als mehrtägige Party betrachten?"


Hast du dir schon eine Strategie zurechtgelegt, wie du die fünf Tage durchstehen wirst? 

Ich möchte schnell genug sein, um möglichst viel Erholungszeit zwischen den einzelnen Tagen zu haben. Dennoch wünsche ich mir die nötige Ruhe, um die ganzen fünf Tage durchzustehen. Tagsüber möchte ich so viel Kalorien aufnehmen, wie es der Körper während der Belastung zulässt. Meine Familie betreut mich während dem swissultra, darauf freue ich mich sehr – genauso wie auf die Unterstützung durch die Zuschauer am Streckenrand. Es haben sich bereits viele Freunde und Bekannte angemeldet.

 

So ein langes Rennen ist auch mental eine Herausforderung. Wie kommst du damit zurecht?

Chemisch betrachtet sind körperliche Anstrengungen relativ simpel zu erklären: Mit zunehmender Belastung steigt die Ausschüttung von Dopamin und Endorphinen an, was dann zu einer richtiggehenden "Synapsen-Party" im Gehirn führt. Also weshalb das ganze Vorhaben nicht als mehrtägige Party betrachten? Scherz beiseite: Natürlich stellt die mentale Einstellung über diese langen Distanzen den entscheidenden Faktor dar. Dazu gehört, sich zu kennen, auf seine eigenen Stärken zu vertrauen und Dinge, die man nicht beeinflussen kann, mit der nötigen Gelassenheit zu akzeptieren. Allerdings wächst man da auch hinein. Ich habe mich in den letzten Monaten so intensiv mit dem swissultra auseinandergesetzt, dass die Vorstellung an die Teilnahme für mich völlig normal geworden ist.


"Auch wenn ein Sponsor eine finanzielle Unterstützung darstellt, so geht dieses Engagement auch immer mit einer gewissen Erwartungshaltung einher."


Worauf freust du dich am meisten beim swissultra? Und wovor hast du besonders Respekt? 

Am meisten freue ich mich darauf, wenn es losgeht und generell auf diese neue Lebenserfahrung. Alle Phasen zu durchlaufen, sich zu hinterfragen und am Schluss hoffentlich auch mit einem Finish belohnt zu werden. Anfangs hatte ich besonders vor dem allmorgendlichen Schwimmen Respekt. Nach meinen mehrtägigen Probeläufen habe ich die Erfrischung im Wasser jedoch sehr zu schätzen gelernt. Der tägliche Marathon hat mir dafür umso mehr Respekt eingeflösst, da der körperliche Verschleiss beim Laufen doch sehr hoch ist.

 

Ultratriathlon ist ein teurer Sport – hast du Sponsoren, die dich unterstützen?

Ich habe Sport immer für mich selbst betrieben und daher auch nie nach einem Sponsor Ausschau gehalten. Auch wenn ein Sponsor eine finanzielle Unterstützung darstellt, so geht dieses Engagement auch immer mit einer gewissen Erwartungshaltung einher. Diesem Druck möchte ich mich nicht aussetzen. Da der swissultra sozusagen vor meiner Haustüre stattfindet, fallen bei mir, im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern, auch keine Reise- und Unterkunftskosten an. Wenn ich zudem bedenke, dass ich im letzten Jahr für zwei Triathlon-Veranstaltungen in etwa dasselbe an Startgebühren und Übernachtungskosten ausgegeben habe und ich nun sogar fünf Tage für mein Geld geboten bekomme, so würde ich den swissultra sogar als "Schnäppchen" bezeichnen!


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