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Mark Hohe-Dorst: "Der Deca ist einer meiner Lebensziele“


Mark Hohe-Dorst steht 2018 zum zweiten Mal am Start des DECA Continuous. Neben dem Sport befasst er sich gerne mit Zahlen und Statistiken zum Ultratriathlon. Im Interview verrät er, welche Rekorde noch zu holen wären und warum es zu seinen Lebenszielen gehört, einen DECA zu finishen.  

Mark, du hast letztes Jahr als sechsundneunzigster Athlet der Welt den DECA Continuous gefinisht. Das ist nur eine von vielen Zahlen, die du sammelst – woher diese Leidenschaft für Statistiken?

Das mit den Statistiken war als Kind schon so. Ich habe gerne Listen zur Fußball Bundesliga angefertigt und Werte errechnet. Als Microsoft „Excel 1.0“ auf den Markt brachte, war das ein Festtag für mich.

 

Dich freut sicher auch, dass die Deutschen in den DECA-Statistiken stark vertreten sind ...  

Ja – im vergangenen Jahr haben zum Beispiel gleich drei Deutsche um den „Titel“ des 10. deutschen Finishers überhaupt gekämpft: Torsten Kühn-Schad, Alois Ruhland und ich. Daran kann man schon erkennen, dass die Deutschen mit rund 10% des Finisher-Feldes stark vertreten sind und gerne ihre Grenzen ausloten. Aus meiner Sicht ist auch der deutsche Rekord von Marcel Heinig aus dem Jahr 2008 (206:29:01 Stunden) interessant. 

 

Wie sieht es generell aus mit Rekorden beim DECA Continuous? 

Spannend ist die Tatsache, dass es weltweit erst sechs Menschen gibt, die unter der 200-Stunden-Grenze geblieben sind. Vielleicht erleben wir in diesem Jahr einen weiteren „Grenzgänger“. Beim swissultra können wir uns noch auf etwas freuen: Gesucht wird der 100. Mann (derzeit 99 Männer und 10 Frauen), der einen Deca Continuous erfolgreich beendet. Dafür infrage kommen folgende Teilnehmer: Matthieu Hiltenbrand (FRA), Richard Jung (GER), Sarath Chandra Reddy Manchala (IND), Manfred Matschke (GER), Vladimir Matveev (RUS), Károly Mindum (HUN), Zoltán Pötör (HUN), Ronny Rössler (GER) und Zoltán Szabó (HUN). 

Mark Hohe-Dorst beim Zieleinlauf am DECA Continuous in der Schweiz 2017. (Fotos: swissultra / Stefan Meier)

 Der DECA ist gemäss deiner Website ultrathlet.de einer deiner Lebensziele. Weshalb?

Ich bin der Meinung, dass man sich Lebensziele setzen sollte, da unser Aufenthalt auf diesem Planeten begrenzt ist. Einen Erfolg beim Deca sehe ich als große Herausforderung an, auf die man sich mental und sportlich, aber auch logistisch vorbereiten muss. Der sportliche Aspekt, der bei kürzeren Distanzen wichtiger ist, ist hierbei „nur“ ein Teil des Gesamtaufwands. 

 

Und der andere Teil?  

Ein jeder Athlet steht vor der Frage, wie er zum Beispiel Betreuer für einen Zeitraum von 14 Tagen für sein Vorhaben begeistern kann. Auch der finanzielle Aufwand stellt für viele ein Hindernis dar. Dieses Zusammensetzen von Mosaiksteinen, um am Ende einen Erfolg verbuchen zu können, übt auf mich einen besonderen Reiz aus. Daneben ist es natürlich auch ein schönes Gefühl, etwas geschafft zu haben, was nur Wenige erreichten. Bis dato gibt es gerade einmal etwas mehr als 100 Menschen, die seit der Austragung des ersten DECA in Mexiko 1992 an der Ziellinie standen.

Athletenvorstellung am DECA Continuous in der Schweiz 2017. (Fotos: swissultra / Katrin Meier)

 Nebst dem Continuous DECA gibt es noch eine zweite Variante: den „one per day“, bei dem jeden Tag ein Triathlon in Ironman-Distanz absolviert wird. Du hast schon beide DECA-Varianten gemacht. Welche ist schwieriger?

Bei Dieser Frage gibt es nur eine Antwort: Die Wettkämpfe sind trotz Ähnlichkeiten nicht vergleichbar. Durchführung und Zeitnahme (Brutto-/Nettozeit) sind so fundamental verschieden, dass die Herangehensweisen beziehungsweise die taktischen Ausrichtungen völlig unterschiedlichen Anforderungen unterliegen. Mir gefallen die „richtigen“ Ultradistanzen besser, also die Continuous-Variante mit den einzelnen Disziplinen am Stück. Gegenüber der Tagesvariante kommt zum logistischen Aufwand die eigene Renn- beziehungsweise Schlafeinteilung hinzu. Ich mag es zu taktieren und Grenzen auszuloten – sprich meinen Körper kennen zu lernen. Rein auf die Platzierung bezogen, habe ich bei der Tagesvariante besser abgeschnitten. 

Nachtschwimmen am DECA Continuous in der Schweiz 2017. (Fotos: swissultra / Katrin Meier)

Welche Erfahrungen nimmst du vom letzten Jahr mit, und was möchtest du dieses Jahr noch optimieren?

Ans Schwimmen kann ich mich gut erinnern – das war nicht gerade der Knaller. Dieses Jahr werde ich versuchen, den Wasserdurchfluss im Neopren zu hemmen, damit ich nicht wieder nach 25 Kilometern am Limit und total unterkühlt bin. Hierfür habe ich beim Triple in Lensahn ein Neopren-Shirt unter dem eigentlichen Neopren getestet. Ein zweiter Ansatzpunkt ist die Position auf dem Rad, um zum einen die Sitzknochen respektive das Sitzfleisch zu entlasten und zum anderen die Aerodynamik zu verbessern. Am Ende möchte ich mit weniger Blessuren und einer besseren Zeit ins Ziel kommen.

 

Mit einer besseren Zeit heisst: in unter zehn Tagen? 

 

Im vergangenen Jahr lag meine Endzeit einen halben Tag darüber; in diesem Jahr möchte ich natürlich unter zehn Tagen bleiben. Ich sehe es als realistisch an, dies schaffen zu können. Jedoch habe ich immer mehrere Ziele: Eines davon ist natürlich zu finishen, und sei es in der Maximalzeit. Ein anderes Ziel: Sollte alles wider Erwarten gigantisch gut verlaufen, versuche ich, unter neun Tagen zu bleiben oder gar den deutschen Rekord anzugreifen. 

Radfahren und letzte Radrunde; Mark Hohe-Dorst mit Daniel Meier und seinen Betreuern am swissultra 2017. (Fotos: swissultra / Katrin Meier)

Apropos Rekord: Denkst du, es wird dieses Jahr wieder einen neuen Weltrekord geben?

Richard Jung traue ich zu, den Weltrekord des Franzosen Fabrice Lucas aus dem Jahr 1997 (192:08:26 Stunden) mindestens mal zum Wackeln bringen zu können. Die Strecke und die äußeren Bedingungen sind in Buchs zwar alles andere als einfach, aber Richard hat neben den sportlichen Fähigkeiten die enorm wichtigen Eigenschaften, temperaturunempfindlich zu sein (außer beim Schwimmen) und auch bei der Ernährung so gut wie alles zu vertragen. Längere Strecken liegen ihm bekanntlich. Alles in allem sind das gute Voraussetzungen. Es wird spannend!

 

Und die letzte Frage: Hast du Tipps und Tricks für Athleten, die zum ersten Mal einen Deca machen (möchten)?

Tipps gebe ich eigentlich ungern, da jeder Körper auf Dauerbelastung, Kälte, Hitze oder diverse Nahrung verschieden reagiert. Dennoch habe ich auf meiner Webseite ein paar allgemeingültige Tipps niedergeschrieben, die einem dabei helfen können, zumindest schon mal nicht zu viele Fehler zu machen. Ich selbst bin auch noch am rausfinden, wie ich zum Beispiel das Schwimmen gut hinbekomme und auch beim Radeln weniger Probleme „unnerum“ habe. Zudem denke ich, dass die Starter beim swissultra – DECA Continuous sehr genau wissen, was sie tun. Die DNF-Quote von 0% aus dem Vorjahr belegt dies beeindruckend.

Supporterzone und Marks Betreuerzelt; Laufstrecke am swissultra 2017. (Fotos: swissultra / Katrin Meier)


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Kommentare: 1
  • #1

    Formula Swiss (Montag, 06 August 2018 23:03)

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