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Laurent Quignette: «Ich möchte beim swissultra aufs Podium»


Laurent Quignette alias «Bretzel Man» hat 2017 den Deca Ultratriathlon in Mexico gewonnen - und das nur knapp zwei Monate nach seinem dritten Platz am DECA in der Schweiz. Dieses Jahr ist er wieder dabei am swissultra. Was es mit der Bretzel auf sich hat, warum die Stadt Colmar ein Nest für Ultratriathleten ist und von welchem Wettkampf er 2019 träumt, verrät er im Interview. 

Laurent, du nennst dich „Bretzel Man“ – und die Bretzeln sind tatsächlich überall: sie schmücken deine Shirts, du isst sie auf dem Fahrrad und nimmst sogar eine riesige aufblasbare Bretzel mit an den Wettkampf. Woher kommt diese Leidenschaft für Bretzeln?  

Ich hatte auf dem Fahrrad schon immer ein paar Salzbretzeln dabei. Eines Tages kreierte ein Freund aus meinem Club aus Jux ein Logo mit dem Namen „Bretzel Man“ – seither nennt man mich so! Das Elsass, wo ich herkomme, ist ja auch bekannt als „Bretzel-Land“. 

 

Letztes Jahr wurdest du Dritter beim swissultra – DECA Continuous, hast den DECA in Mexico gewonnen und den zweiten Platz im IUTA-Weltcup belegt. Was sind deine Ziele für 2018? 

2016 und vor allem 2017 waren aussergewöhnliche Jahre für mich. 2018 möchte ich beim swissultra aufs Podium. Und ich möchte den Weltcup gewinnen – zusammen mit meinem Team, dem „BRETZEL TEAM“! 

 

Du hast dich dieses Jahr wieder für den swissultra – DECA Continuous angemeldet. Warum möchtest du nochmals starten? 

Der swissultra war 2017 mein erster DECA. Der Wettkampf hat mir gefallen. Weniger als zwei Monate später habe ich deshalb auch noch den DECA in Mexico gemacht. Ich mag den swissultra, die Organisation, den Veranstaltungsort und die Atmosphäre in der Schweiz. Und Buchs ist relativ nah bei Colmar – so können meinem Freunde mich am Wettkampf besuchen kommen! 

Laurent Quignette am DECA Continuous in der Schweiz 2017. (Fotos: swissultra / Katrin Meier)

Wie trainierst du für den DECA? Gibt es Schlüsseltrainings? 

Ich trainiere das ganze Jahr hindurch – ich mache Trail-Läufe und Ultratrails, Marathons, fahre Ski und Fahrrad, gehe Mountainbiken und Schwimmen, nehme an Triathlons teil ... Für den DECA plane ich zudem acht grossere Trainingsblöcke ein. Diese beinhalten mindestens 300 Kilometer radfahren und zwölf bis 24 Kilometer laufen. Manchmal drossle ich auch die Intensität und trainiere mit meinen Freunden zusammen. 

 

Trainierst du gleich wie für den DECA letztes Jahr? 

Die Struktur und Häufigkeit der Trainings ist gleich. Letztes Jahr hat mich mein Freund und Ultratriathlet Emmanuel Conraux beraten. Und Guy Rossi hat mich bei der Planung für den DECA unterstützt. Auf ihren Rat hin habe ich einige Trainings intensiviert und auf andere verzichtet, um effizienter zu werden. Ein Ultra-Training ist aber keine exakte Wissenschaft – es braucht viel „Gefühl“ für den eigenen Körper. Und Erfahrung ist natürlich auch ein Vorteil!  

 

Wann hast du überhaupt mit Ultratriathlon begonnen? 

Meinen ersten Triathlon habe ich 2013 gemacht. Vorher konnte ich nicht einmal schwimmen! Mein Coach Hugues Clauser hat mich damals zum Triathlon und zum Ultratriathlon gebracht. Im selben Jahr habe ich auch von Trail- auf Ultra-Trail-Läufe gewechselt. Mein erster Ultratriathlon war der Double in Slowenien, bei dem mich der spätere Sieger Matej Markovic willkommen hiess ... Ich habe diesen Sport von Anfang an als sehr familiär kennen und schätzen gelernt. Ich liebe ihn!  

 

Was sind deine grössten Erfolge im Ultratriathlon? 

Sicher mein Sieg beim DECA Mexico 2017! In acht Tagen und 20 Stunden, weniger als zwei Monate nach meinem dritten Platz beim DECA in der Schweiz ... In Florida habe ich einmal den 2. und einmal den 3. Platz belegt, und in Slowenien war ich ebenfalls Dritter. 

Dritter Platz beim swissultra - DECA Continuous 2017. (Fotos: swissultra / Stefan Meier)

Du wohnst in Colmar – einer richtigen Ultratriathlon-Stadt! Ultratriathlon-Legende Guy Rossi kommt aus Colmar, dein Freund Emmanuel Conraux, ... 

... und Hugo, der mich zum Ultratriatlon brachte. Erst danach habe ich Guy Rossi kennen gelernt, am Double in Slowenien! Dabei wohnen wir nur 300 Meter voneinander entfernt ... Emmanuel, „Manu“, ist ein guter Freund von mir. Dann gibt es noch Dominique Bouvier, der auch schon einen DECA gefinisht hat. In der Region Elsass konnte ich noch weitere Athleten für den Ultratriathlon begeistern, zum Beispiel Serge Mortz, Mathieu Hiltenbrand und meinen Freund MANU aus Chambéry. Warum so viele aus der Region um Colmar stammen, weiss ich nicht – aber die Leidenschaft für Ultratriathlon scheint ansteckend zu sein! 

 

Welches ist deine stärkste Disziplin? 

Ich bin in erster Linie ein Läufer. Schon mit vier Jahren habe ich Tennis gespielt, bin auf dem Platz rumgerannt wie wild – ich war ein schneller Läufer. Crawlen habe ich erst vor fünf Jahren gelernt. 

 

Ein so langer Wettkampf wie ein DECA Continuous, der bis zu 14 Tagen dauern kann, ist auch mental eine Herausforderung. Wie schaffst du es, nicht aufzugeben? 

Ich verrate jetzt nicht all meine Geheimnisse! Aber ich habe zwei Freunde, die mental sehr stark sind, Coach FX und Coach TOF. Sie haben mir Methoden gezeigt wie die Selbsthypnose. Seit meinem Fahrradunfall 2016 hat die mentale Komponente für mich an Bedeutung gewonnen. Auch mein Osteopath Dominique unterstützt mich, genauso wie der Rest des BRETZEL Teams. 

 

An einem DECA gibt es schöne Momente, aber auch weniger schöne ... an welche kannst du dich noch erinnern? 

Am DECA in Mexico fand ich es relativ anstrengend, die ganze Zeit in Führung zu liegen. Das war stressig, aber wahrscheinlich eine einzigartige Erfahrung! Am swissultra habe ich die schönsten und die schlimmsten Momente erlebt. Beim Schwimmen bekam ich eine Allergie gegen das Chlorwasser. Zwischen den Beinen und in den Kniekehlen war alles offen und blutete! Ich stieg mit Schmerzen aufs Fahrrad und musste alle acht Stunden die Bandagen wechseln und es ging mir sehr schlecht. Beim Marathon merkte ich dann, dass ich gut laufen konnte und Legenden wie Ferenc Szönyi und Dave Clamp sehr nahe kam! 

 

An dieser Stelle möchte ich mich speziell bei vier Freunden bedanken, die mir nach dem Schwimmen geholfen haben und mich wieder gesund gepflegt haben: Dominique, Fred, Maiwenn und Floriant. Und all die Freunde, die gekommen sind und mich angefeuert haben, darunter Clément, CYRIL, Gaetan und Eric.  

 

Wie ernährst du dich am Wettkampf? 

Phuu, das ist ein grosses Thema! Generell wechsle ich ab zwischen ganz normaler Ernährung und Gels. Und ich mag Bretzeln, trinke gerne Kartoffelbrei und esse oft Thunfisch-Sandwiches. 

 

Ist es schwierig, Sponsoren zu finden für deine Wettkämpfe? 

Ja, das ist nicht ganz einfach – Ultratriathlon ist eine Randsportart. Nach dem swissultra 2017 hatte ich viel Unterstützung und das Geld für die Reise nach Mexico in Rekordzeit zusammen. Dieses Jahr ist es schwieriger; die Wirtschaftslage in Frankreich ist nicht so gut. Wir haben die Website www.bretzelman.fr eingerichtet und bieten nun Coachings und Konferenzen an, um die Saison zu finanzieren. Ich glaube fest daran, dass wir es schaffen! 

 

Und die letzte Frage: Wenn du wünschen könntest – welchen Wettkampf würdest du 2019 machen wollen? 

Solange ich kann, werde ich versuchen, „Continuous“-Wettkämpfe zu machen. Das sind die Klassiker. Und ich würde gerne 2019 einen Double Deca Continuous machen ... 


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