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„Fünf Tage Sport ist für mich Freude pur“

Eva Hürlimann ist die erste Schweizerin, die einen Quintuple Ultratriathlon in Angriff nimmt – und dabei gleich den aktuellen Weltrekord knacken möchte. Welche Strategie sie dabei verfolgt und warum sie das Lachen auch bei den grössten Strapazen nicht verliert, verrät sie im Interview. 

Ihr Palmarès ist gespickt mit Podestplätzen. Kurzdistanzen, Strassenrennen, Ironman. Und Gigathlon: Gleich bei der ersten Teilnahme 2016 holt Eva Hürlimann den Sieg beim Single Damen Gigathlon Switzerland. 2017 gewinnt sie auch den Gigathlon in Tschechien. Angefangen hat alles mit Eiskunstlauf – acht Jahre lang widmete sich Eva als Mädchen dem Sport. Danach folgte schwimmen, Fahrrad fahren, joggen und mit Anfang 20 der erste Triathlon. Wo Eva mitmischt, ist sie vorne mit dabei: auch als Mutter von drei Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren widmet sie viel Freizeit dem Sport. Mit hohen Zielen, viel Ehrgeiz, viel Freude und einem grossen Unterstützer: ihrem Mann Hugi, der selbst einmal einen Double Ultratriathlon gemacht hat. 

Eva, dein Mann Hugi wird dich auch beim Quintuple in Buchs betreuen. Überhaupt ist es seine Schuld, dass du überhaupt auf die Idee gekommen bist, dort zu starten, richtig?  

Eva Hürlimann: Das stimmt! Letztes Jahr hat mir Hugi den Artikel über den Ultratriathlon in Buchs im „Fit for life“ gezeigt und meinte, „das wär doch was für dich!“. Dieser Bericht kam gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn nach den Gigathlon-Teilnahmen in den letzten Jahren suchte ich nach einer neuen Herausforderung.  Ich hatte nach den Gigathlon-Zieleinläufen jeweils das Gefühl, dass ich noch weitermachen könnte – daher hat mein Mann schon recht: Ich habe einen Körper und Kopf für ganz lange Distanzen.

 

Im Gigathlon geht es um Sekunden. Im Ultratriathlon eher um Stunden – oder darum, wie gut man sich quälen kann. Du mutest deinem Mann zu, dir dabei zuzuschauen ... 

Er wird mich nicht gross leiden sehen. Ich quäle mich nicht, ich habe Freude am Sport! Fünf Tage lang Sport zu machen, ist für mich Freude pur. Klar werden Schmerzen kommen, aber  damit kann ich umgehen. Ich habe  die Freude  noch nie verloren und  bin zuversichtlich, dass das auch beim Quintuple so sein wird.

 

Und du möchtest im August nicht weniger als den aktuellen Weltrekord holen. Der liegt aktuell bei etwas unter 76 Stunden, aufgestellt von Christine Couldrey 2016 in Virginia. 

Der Weltrekord ist ein hohes Ziel, aber ein realistisches. Ich darf einfach nicht länger als 15 Stunden pro Tag unterwegs sein.  Klar ist es schwierig abzuschätzen, wie der Körper auf eine solche Belastung über mehrere Tage reagiert.  Aber am Ende ist es egal, ob ich den Rekord hole, gewinne oder einfach nur finishe – ich möchte eine gute Zeit haben und gesund nach Hause kommen.

Eva Hürlimann beim Lauftraining mit Daniel Meier in ihrer Heimat Hasle bei Burgdorf (Kanton Bern, Schweiz). 

Viele schütteln den Kopf, halten Ultratriathlon für ungesund und verrückt – wie reagierst du auf solche Vorurteile? 

Verrückt oder sinnlos – das hab ich auch schon zu hören bekommen. Dieser Frage habe ich sogar schon eine Kolumne gewidmet. Es ist alles eine Frage der Perspektive: Für mich ist ein Fussballspiel auch sinnlos! Ich habe bisher aber  auch positive Reaktionen erhalten. Die Leute sprechen mich an, auf der Strasse oder auf Social Media. Sie möchten mehr wissen; ein paar bewundern und ermutigen mich, andere verstehen mein Vorhaben nicht ganz. Das ist auch okay – leben und leben lassen finde ich wichtig. Ich muss viel erklären, aber das mache ich gerne. Niemand kann sich vorstellen, wie man fünf Tage lang Triathlon machen kann – für mich ist der Sport aber mehr als ein Hobby, ich finde die Vorstellung super! Auch die Sponsoren reagierten positiv; ROSE Bikes unterstützt mich und gerade Compressport oder BEMER werde ich bei der Regeneration natürlich super einsetzen  können.

 

Was kommt nach dem Quintuple – vielleicht ein DECA Continuous oder das Race Across America (RAAM)? 

Das RAAM momentan eher nicht, „nur“ Radfahren wär mir zu einseitig und auch nicht mit der Familiensituation zu vereinbaren. Ich liebe die Abwechslung. Beim DECA Continuous habe ich noch ziemlich Respekt wegen dem Schlafentzug. Ich weiss noch nicht, wie ich damit umgehen kann. Der Deca ist daher eher noch ein Fernziel. Ich möchte nun erst einmal beim Quintuple Erfahrungen sammeln, mich an den Ultratriathlon herantasten und von anderen lernen.  

 

Okay, bleiben wir beim Quintuple: Wie bereitest du dich darauf vor? 

Ich versuche, qualitativ gut zu trainieren und die Trainingszeit  optimal mit der Familie zu verbinden. Sicher werde ich längere Trainingseinheiten absolvieren und habe bereits jetzt einen Schwerpunkt aufs Laufen gesetzt. Vor den fünf Marathons habe ich schon Respekt. Bald fahren wir für zwei Wochen nach Spanien, wo ich als Gruppenleiterin in einem Trainingslager engagiert bin – das ist natürlich auch ein super Training!

Fotoshooting auf der Brücke: Eva Hürlimann und Daniel Meier beim Lauftraining entlang der Emme bei Burgdorf.  

Hast du bereits eine Strategie für das Rennen selbst? 

Ich werde sicher nicht zu schnell starten. Die ersten zwei, drei Tage möchte ich langsam angehen. Meine Stärke sind die längeren Rennen; am Schluss kann ich gut noch etwas zulegen, wenn alles stimmt.

 

Und wie motivierst du dich, wenn es mal nicht mehr stimmt? 

Ich habe erstaunlicherweise sehr selten Motivationsprobleme! Wenn ich müde bin, dann setze ich mir ein kurzfristiges Ziel wie die nächste Wechselzone und esse etwas. Ich habe sonst nicht so viel Zeit für mich, deshalb geniesse ich diese Zeit im Wettkampf umso mehr. Ich bin voller Vorfreude auf den swissultra. Ich fühle mich schon jetzt gut aufgenommen von der Szene und den anderen Athleten, das ist ein schönes Gefühl. Die Ultratriathlon-Family ist wirklich sehr sympathisch!


3 Tipps von Daniel Meier

Der Schweizer Daniel Meier hat vom doppelten bis zum 21-fachen Ironman in den letzten zehn Jahren zahlreiche Ultratriathlon-Wettkämpfe bestritten und wird am swissultra 2018 beim DECA Continuous starten. Drei Tipps von Landsmann zu Landsfrau, um den Quintuple erfolgreich zu meistern:

 

  1. Nimm dir Zeit, genug zu essen. Lieber etwas zu viel als zu wenig. Ich habe auch nachts immer einen Snack in Griffnähe, falls ich aufwache und Hunger habe. 
  2. Disziplin ist wichtig: Beginne nach dem Zieleinlauf gleich mit der Regeneration und nutze die Zeit bis zum Start am nächsten Tag, um dich zu erholen und genug zu schlafen. 
  3. Immer einen Plan B bereithalten. Ich habe viele Athleten erlebt, die ein Ziel hatten und dann in ein Loch fielen, weil etwas dazwischenkam – wer von Anfang an Alternativen hat, kommt eher ins Ziel.


Eva Hürlimanns Grösste Erfolge

2017

1. Rang Single Damen Gigathlon Tschechien

2. Rang Single Damen Megathlon Deutschland

2. Rang Single Damen Gigathlon Switzerland

2. Rang Single Damen Biennathlon

 

2016

2. Rang Single Damen S2 Challenge

2016: 1. Rang Jahreswertung Swiss Cycling BOE Meisterschaften

2016: 1. Rang Single Damen Gigathlon Switzerland

 


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