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Alexandra Meixner: "Ich möchte herausfinden, wie viel möglich ist"

Die Österreicherin Alexandra Meixner verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Sie möchte nicht nur den Double Deca finishen, sondern gleichzeitig auch den bestehenden Weltrekord der Frauen knacken. Wie die Strahlefrau das schaffen will und was sie von Konkurrenzdenken hält, verrät sie im Interview. 

Alexandra Meixner beim Zieleinlauf ihres ersten Ultratriathlons, dem Double in Neftenbach (Schweiz) 2011.

Alexandra, du hast ja 2011 in der Schweiz deinen ersten Ultratriathlon überhaupt bestritten. Wie bist du auf diese verrückte Idee gekommen? 

Alexandra Meixner: Ich war 2011 am Double Ultratriathlon in Neulengbach (AT), um einen Bekannten anzufeuern. Das Ambiente und die Stimmung bei diesem Rennen haben mich sofort in den Bann gezogen. In meinem Kopf begann es zu rotieren: Wie funktioniert das? Kann das ein Körper überhaupt schaffen? Kann ICH das auch? So ist der Wunsch in mir gewachsen, an einem Ultratriathlon teilzunehmen. Dann hab ich den Flyer entdeckt für den Double Ultratriathlon in Neftenbach (Schweiz) ... Zwei Wochen vor dem Start habe ich mich dann – nachdem mein damaliger Freund gesagt hat, «du schaffst das!» – für den Wettkampf angemeldet. 

 

Der Freund von damals, Walter Wegschaider, ist heute dein Mann – und steht ebenfalls auf der Teilnehmerliste ... 

Ja, und das bedeutet mir unglaublich viel! Die Rolle von Walter beim Double Deca kann ich gar nicht beschreiben, ohne ins Schwärmen zu kommen. Walter ist mein Promotor, mein Mentor, mein externes sportliches Selbstbewusstsein und in allen Situationen die wichtigste Stütze überhaupt. 

 

Vom Wasser aufs Rad: Alexandra Meixner mit ihrem damaligen Freund und heutigen Mann, Walter Wegschaider. 

(Double Ultratriathlon Switzerland 2011)

Nebst den vielen Wettkämpfen arbeitest du als Gynäkologin und Sexualberaterin, stehst als Kabarettistin auf der Bühne, schreibst Bücher und trittst in Talkshows auf – bleibt da überhaupt noch Zeit zum Trainieren? 

Ich schaue einfach, dass ich neben meiner Arbeit – die meistens 60 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt – in jeder freien Minute Sport machen kann. Wenn’s gut geht, sind das pro Woche zwölf bis fünfzehn Stunden. Trainingsplan habe ich keinen. Das habe ich erst einmal probiert, für einen Marathon. Da habe ich schnell gemerkt, dass mit der Plan zu viel Druck macht. Seither trainiere ich einfach nach Lust und Laune. 

 

Am Double Deca vergeht einem vielleicht mal die Lust ...

 

Am meisten Respekt habe ich vor dem Schlafmangel. Mit wenig Schlaf leidet die Regeneration, und dann wird’s schwierig. Somit mache ich mir auch ein bisschen Druck beim 


«Am meisten Respekt 

habe ich vor dem Schlafmangel»



Laufen, das ist für mich die anstrengendste Disziplin. Ich nehme mir deshalb auch fest vor, in der Vorbereitung das Laufen nicht zu vernachlässigen. Das kommt meistens zu kurz, wenn das schöne Radwetter beginnt ... vor dem Deca in Mexico 2014 bin ich 200 bis 300 Kilometer pro Woche geradelt, aber höchstens 20 Kilometer gelaufen. 

 

Ein starkes Resultat ist das eine – aber du hast noch ein Ziel: den Weltrekord* der Frauen zu knacken, den momentan die Dänin Thea Storm Henriksen hält mit elf Ironman in Folge. Was bedeutet dieser Rekord für dich? 

Der Weltrekord ist für mich ein grosses mentales Ziel. Und eine Motivation von aussen, die wichtig ist für die Zeit im Wettkampf, wenn’s für den Körper richtig hart wird und der Geist schwächelt. Aber eigentlich möchte ich für mich herausfinden, wie viel möglich ist ... ob 20 Tage in Folge wirklich drinliegen. Ich habe 2014 in Mexico den Weltrekord der Frauen im Deca Ultratriathlon geschafft und trotzdem standen die Sponsoren nicht Schlange, um mich zu unterstützen. Deshalb ist es mehr ein persönliches Ziel, das mich motiviert.

 

Mit der Tschechin Sarka Kolbova hast du eine Konkurrentin im Rennen um den Weltrekord. Setzt dich das mehr unter Druck oder spornt dich die Konkurrenz eher an? 

Weder noch. Sarka ist eine absolut geniale Ausnahmesportlerin, mit der ich mich sowieso nicht vergleichen kann. Ich freue mich, dass sie als zweite Frau mit im Rennen ist. Ich hoffe, dass ich das auch während des Rennens immer so sehen werde und sich nicht doch noch der Konkurrenzgedanke einschleicht ... 

 

Was ist wichtiger: den Weltrekord zu knacken oder den Double Deca zu finishen? 

Eindeutig den Double Deca zu finishen. Ich möchte mir wieder einmal beweisen: if you can dream it, you can do it ... und ich träume definitiv von 20! 

 

Wenn du den Double Deca tatsächlich schaffst – was ist dann die nächste Herausforderung?

Meine nächste Herausforderung wird unter allen Umständen 2017 das Race across America – und dann träume ich vom Trans-Siberian Extreme 2018 …

 

Also die ganz harten Sachen! Dabei fing deine sportliche Karriere eigentlich harmlos an – mit Marathon. Was treibt dich an, immer extremere Wettkämpfe zu absolvieren?

Mir war es nie wichtig, den selben Wettkampf oder die selbe Distanz noch einmal zu machen und eventuell in einer besseren Zeit zu schaffen. Wenn ich bei einem Rennen ins Ziel kam, dachte ich bisher immer: So, das war’s, jetzt hör ich auf mit so extremen Sachen! Aber dann – meistens, wenn ich die Schmerzen vergessen habe – keimt immer die Frage in mir auf: Was geht noch? Und dann suche ich nach neuen Zielen. 

 


«Ich möchte nicht 

mit mir selber 

konkurrieren»



Und es bleibt dabei: du machst jeden Wettkampf nur einmal? 

Ja. Das klingt jetzt vielleicht trivial – aber genauso wenig wie ich möchte, dass sich der Konkurrenzgedanke gegenüber Sarka bei mir einschleicht, möchte ich mit mir selber konkurrieren. Wenn ich einen Wettkampf zweimal machen 


würde und schlechter abschneide als beim ersten Mal, könnte mir das sehr viel von meinem sportlichen Selbstwert nehmen, fürchte ich. Ausserdem ist das Leben so kurz, und es gibt noch so viele Herausforderungen! 

 

Trotzdem hoffen wir, dass du mit deinem Strahlen der Ultratriathlon-Family nicht ganz den Rücken kehrst ... 

 

Erst einmal freue ich mich auf den Double Deca und das Wiedersehen mit Athleten aus aller Welt. Das ist eine der wichtigsten «Triebfedern» für mich, bei solchen Events teilzunehmen – man trifft so viele liebe Leute aus der Ultrafamilie, spürt den Zusammenhalt, das Getragenwerden und das gegenseitige Stützen. Man wird einfach so genommen, wie man oder frau ist. 

 

Starten gemeinsam am Double Deca Ultratriathlon Switzerland 2016: Alexandra Meixner und ihr Mann Walter Wegschaider. 

 * Weltrekord der Frauen im Ultratriathlon: Unterschieden wird zwischen zwei Wettkampfmodi: dem durchgängigen Wettkampf (alles an einem Stück; zuerst die gesamte Schwimmdistanz, dann die gesamte Raddistanz, dann die gesamte Laufdistanz – aktueller Weltrekord im Double Deca: Sylvia Andonie, 1998; Zeit (h): 643:01:49)) und dem Tageswettkampf, wie er in Buchs 2016 durchgeführt wird (jeden Tag ein Ultratriathlon; 3.8km schwimmen, 180km Radfahren, 42.2km laufen – aktueller Weltrekord: Thea Storm Henriksen, 11 Ultratriathlons in Folge, 2013). Vgl. IUTA / Wikipedia. 


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